Predigt im Gottesdienst mit einer Taufe am 20.08., Pastor Seivert

Sun, 20 Aug 2023 07:01:36 +0000 von Horst Seivert

Taufe zur Lesung Luk. 15, 1f (verkürzt)

„Gott liebt uns. Wir dürfen immer zu ihm kommen. Er freut sich darüber. Jesus erzählt dazu eine Geschichte: Ein Mann hat zwei Söhne. Sie helfen dem Vater bei der Arbeit. Später werden sie einmal alles erben, was dem Vater gehört: Das Haus, die Felder, die Tiere und das ganze Geld. Der jüngere Sohn sagt zum Vater: Ich bin jetzt groß. Ich will fort. Gib mir das Erbe, das mir gehört. Der Vater gibt ihm viel Geld. Der jüngere Sohn packt alles zusammen und geht fort. Er freut sich. Er geht in die große Stadt. Er kauft sich, was er will. Er geht ins Gasthaus. Er lädt viele Leute ein. Sie sind lustig. Sie essen und trinken den ganzen Tag. Er bezahlt für sie. Bald hat er kein Geld mehr. Die anderen geben ihm nichts Er kann seine Rechnung nicht bezahlen. Der Wirt wirft ihn hinaus. Er geht zu einem Bauern und sagt: Ich habe Hunger. Gib mir etwas zu essen. Ich will dafür arbeiten. Der Bauer sagt: Pass auf die Schweine auf! Aber nimm dich in acht: Iss nichts von dem guten Schweinefutter! Da sitzt er nun und hat Hunger. Er denkt: Mein Vater hat viele Arbeiter. Sie bekommen genug zu essen. Ich will zu meinem Vater gehen und sagen: „Ich kann nicht mehr dein Sohn sein. Nimm mich als Arbeiter bei dir auf! Der Vater sieht den Sohn kommen. Er geht ihm entgegen. Der Sohn sagt: Vater, es war nicht recht, was ich getan habe. Ich bin schuldig geworden Ich kann nicht mehr dein Sohn sein. Nimm mich als Arbeiter bei dir auf! Der Vater sagt: Du bist und bleibst mein Sohn. Du bist wieder da. Das ist ein Freudentag. Der Vater ruft alle zusammen: Kommt, wir feiern ein Fest! Mein Sohn ist wieder da. Freut euch mit mir!“  (Lk.15)

Liebe Gemeinde!
 
Wenn mich meine Beobachtung nicht täuscht, dann meine ich, dass immer mehr Menschen, nicht nur jüngere, Tatoos am Körper tragen.  Gehören Sie auch dazu? Mal ist es klein und unauffällig am Fußknöchel oder auf dem Schulterblatt platziert, oder aber großflächig angelegt über Gesicht, Arme, Beine und Rücken. Die Motive sind vielfältig.

Das Tatoo ist keine Erfindung unserer Zeit. Seine Entstehung lässt sich bis etwa 5000 vor Christus zurückverfolgen. In allen Teilen der Welt lassen sich Menschen tätowieren.

Gefällt mir eigentlich, was ich da sehe? Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Und deswegen enthalte ich mich an dieser Stelle. Aber eines kann ich sagen: Tattoos bringen mich zum Nachdenken. In unserer Zeit, die als schnelllebig und unverbindlich beschrieben wird, setzt diese Form des Körperkults ein Zeichen. Die Gründe, weshalb sich jemand ein Tatoo stechen lässt (meist unter Schmerzen) sind vielfältig.

Für die einen ist diese Form der Körperbemalung einfach nur ein weiteres Schmuckstück. Es geht ihnen um Schönheit. Andere dagegen wollen mit ihren Tattoos eine Art Bekenntnis ablegen. Z.B, jemanden, der einem sehr wichtig ist, immer bei sich am Körper zu tragen als Name oder Bild: den Freund, die Freundin, das Kind. Manche lassen sich ein Kreuz stechen, oder das Wort Gott, um zu zeigen, wie wichtig ihnen der Glaube ist. Und ich habe mal gelesen, dass sich mache Menschen besonders diese drei Worte tätowieren lassen: Ich bin getauft.

Mit den Jahren können Tattoos zwar verblassen oder aus der Form geraten, aber einmal gestochen bleiben sie einem doch ein Leben lang erhalten. 

Ich selbst habe noch nie ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, mir ein Tattoo stechen zu lassen.

Aber der Vergleich mit der Taufe gefällt mir trotzdem sehr gut. Zu wissen: Die Taufe bleibt mir ein Leben lang erhalten, so wie ein Tatoo. Was auch immer kommt, sie lässt sich nicht auslöschen. Sie ist auch nicht rückgängig zu machen. Selbst wenn ich mich von Gott lossagen würde: Ich bleibe getauft! Ich kann aus der Kirche austreten. Ich kann versuchen, alles, was mit dem Glauben und der Kirche zu tun hat, aus meinem Leben zu verbannen … letztlich kann ich Gott nicht davon abhalten, mir zu sagen: „Ich liebe dich trotzdem, und werde dir weiterhin nachgehen und hoffen, dass du zu mir zurückkehrst.” So wie in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn.

Gottes “ja” zu mir bleibt. Auch, wenn ich mich gelegentlich über mich selbst ärgere, über meinen Schwächen und Fehlern am Verzweifeln bin: Sein “ja” zu mir ist unverrückbar. Da bin ich wirklich froh, dass Gott mich nicht aufgibt und dass ich mir das selber dann sagen kann. Und so trage ich mein Getauftsein mit mir herum – wie eine unsichtbare Tätowierung. Auf Schritt und Tritt ist – egal, wie seltsam und düster die Wege gerade sind, auf denen ich gehe. Wie ein Zeichen, das nur Gott sehen kann, leuchtet sie ihn an; zeigt ihm, wo ich gerade bin, damit er mich ja nicht aus den Augen verliert.
So wie in der Geschichte vom verlorenen Sohn, die Jesus erzählt hat: Gottes Liebe ist eine Liebe, die mit unendlich viel Geduld ausgestattet ist und sich von unserer Widerspenstigkeit nicht irre machen lässt. Eben ein unsichtbares Tattoo für die Ewigkeit.

Von Martin Luther ist nicht bekannt, dass er sich ein Tatoo hat stechen lassen, aber überliefert ist, dass er, besonders in den schwierigen Zeiten seines Lebens, diese drei Worte mit Kreide auf den Tisch schrieb: „Ich bin getauft.“ Das erinnerte ihn dann daran: Was auch immer passiert, wie schwer es auch immer kommt in meinem Leben, Gott ist und bleibt an meiner Seite. Er hat mir das in meiner Taufe zugesagt.

Nicht nur ich, die meisten Menschen brauchen sichtbare Zeichen und bei all der Rastlosigkeit und Unruhe sehnen wir uns nach etwas, das bleibt, das zu uns gehört, das uns auszeichnet und nicht von uns zu trennen ist. 

Dass mögen Sie Ihrer Tochter erzählen, liebe Eltern, und auch wir andern. Auf Gott ist Verlass. Er hält sich an das, was er zusagt. Amen
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