Kirchengemeinde St. Martin Holtorf

Liebe Leserinnen und Leser!

„Suche  Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 43,15)  - Jahreslosung 2019

Nur noch selten kommt die ganze Familie zusammen. Alle wohnen inzwischen  weit verstreut. Wenn sie dann an einem Tisch sitzen, wünschen sich die meisten, es möge doch alles friedlich und harmonisch zugehen. Doch oft ist das nicht so. Da reicht  schon ein gewisses Reizwort und schon ist es mit dem lieben Frieden dahin…

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Frieden ist kein Dauergast, der einfach so mit am Tisch sitzt und ein friedliches Miteinander garantiert. Weder in unseren Familien und unserer Gesellschaft, noch in unserer Welt, auch nicht in unseren Kirchen und Gemeinden. Überall erleben wir, wie zerbrechlich und flüchtig der Frieden ist.

Doch  viele sehnen sich danach, ja wir alle wünschen uns so sehr Frieden. Das hebräische Wort für Frieden heißt Schalom. Schalom meint mehr als nur die Abwesenheit von Streit oder Krieg. Schalom zielt auf eine Welt, in der niemand ausgeschlossen wird, in der alle Menschen versöhnt leben mit der ganzen Schöpfung  Gottes.  Doch soweit sind wir noch nicht. Aber wir sind auf dem Weg dahin, manchmal nur in kleinen Schritten.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ fordert David  im 34. Psalm.  Dabei könnte er in seiner Situation auf  ganz andere Gedanken kommen. Er ist auf der Flucht vor dem übermächtigen König Saul, der ihm seine Erfolge neidet und ihm nach dem Leben trachtet.

Schauen wir uns doch diesen Satz, verbunden mit dem Blick auf die dazugehörige Karte, die ich Ihnen schenken möchte, etwas genauer an.

Wir sehen einen Weg. Ist nicht Frieden ein Weg? Ich denke schon. Wir müssen uns auf den Weg machen, um ihn zu suchen und zu finden. Die ersten Christen nannte man „Leute des Weges“. Sie machten sich auf den Weg, suchten den Frieden, erzählten vom Frieden. Weil sie einen ganz besonderen Frieden gefunden hatten, einen Frieden, der „höher ist als alle Vernunft.“

Seit den Tages Noahs ist die Taube ein Symbol des Friedens. Wir sehen sie auch auf dem Bild. Nach der Sintflut, dem Zeichen für Unfrieden zwischen Gott und Mensch, kehrt die Taube zur Arche zurück. Gott gibt dem Menschen eine zweite Chance. Leben auf der Erde ist möglich. Versöhnung ist möglich, Frieden ist möglich.

Die Bibel weiß, wie flüchtig und wertvoll der Frieden ist. Jeden Sonntag bitten wir darum, dass es keine Kriege mehr in der Welt gibt. Das ist gut und wichtig. Wir brauchen Gottes Hilfe. Ohne ihn schaffen wir es nicht. Und zugleich liegt es an uns. Wir müssen den Frieden geradezu aufspüren und ihm hinterherjagen. Das beginnt zu Hause und in unseren eigenen Herzen.

Wir sehen einen Baum in Form eines Herzens. Dauerhafter Frieden braucht Herz, braucht Liebe. In einer afrikanischen Sprache ergibt das Wort Frieden den schönen Satz: „Mein Herz setzt sich nieder.“ Frieden macht Heimat möglich. Hier finden Menschen ein Zuhause.

Frieden ist nicht alles. Da gibt es noch andere Dinge die wichtig sind im Leben,  z.B. Liebe, Geborgenheit, Gesundheit,  ein gutes Auskommen…. Aber ohne Frieden ist alles nichts. Im Vergleich zu anderen Ländern und Regionen der Welt erleben wir hier bei uns eine vergleichsweise friedliche Zeit.  Aber die Zeiten ändern sich,  so ist mein Eindruck. Der Umgangston wird rauer in unserer Gesellschaft. Lehrer, Polizisten und Rettungskräfte  werden bedroht, politische Ansichten werden extremer, verletzender, unversöhnlicher. Die  Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander. Viele Menschen sind unzufrieden mit ihrem eigenen Leben, weil eine Krankheit sie beeinträchtigt, weil sie sich ausgegrenzt fühlen, weil sie am Sinn des Lebens zweifeln.

Die Sorge um den Frieden ist begründet. Der Frieden ist ein zartes Gewächs. Immer gefährdet, doch hoffentlich keine aussterbende Lebensart.

Aber wie finden wir ihn, den Frieden? Oder findet er uns? Die Jahreslosung  2019 kann unseren Blick schärfen. „Suchen und jagen“ sind starke Worte der Bewegung. Für  mich ist der Frieden eine gute Gabe Gottes und zugleich Auftrag. Der Frieden trägt einen Namen: Jesus Christus. Frieden ist möglich. Er ist schon da. Und muss immer noch werden.  Wie es in dem Lied „Komm, Herr, segne uns“ heißt. Wir werden es gleich  singen.

Gesucht werden Menschen, die dabei sein und Frieden  gestalten wollen.  Ich bin dabei. Sie auch? Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

                                                                    Es grüßt Sie und Euch Pastor  Seivert mit den besten Wünschen für das neue Jahr!