Predigt im Gottesdienst am 14. Sonntag nach Trinitatis, 10.09.2023, Pastor Seivert

Sun, 10 Sep 2023 06:30:34 +0000 von Horst Seivert

Lukas 17,11-19
 
Liebe Gemeinde!
 
Lesen Sie morgens gern die Tageszeitung? Essen Sie dabei gerne frische Brötchen?
Oder steigen Sie ganz früh schon in den Bus ein? Wenn etwas davon für Sie, oder für euch, die Konfirmanden, zutrifft, dann habe ich noch eine Frage: Wann haben Sie sich zuletzt bei den Menschen bedankt, die Ihnen das so zuverlässig am frühen Morgen ermöglichen? Der Busfahrer, der Bäcker, die Zeitungsausträgerin – sie alle stehen mitten in der Nacht auf, um anderen einen Dienst zu erweisen.
 
Sie können sich gar nicht erinnern, wann Sie sich das letzte Mal dafür bedankt haben? Nun, ist es für Sie womöglich eine Selbstverständlichkeit, beim Frühstück Zeitung und Brötchen zu haben? Oder für euch, die Konfirmanden, ist der Schulbus so unerträglich früh, dass ihr gar nicht darüber nachdenkt, dass der Arbeitstag des Fahrers noch viel früher begonnen hat?
Für etwas, was uns selbstverständlich erscheint oder wobei uns nicht bewusst wird, dass jemand etwas für uns tut, da kommt uns gar nicht die Idee, uns zu bedanken.
 
So wie in der Geschichte von den zehn Aussätzigen (Lukas 17,11-19). Sie alle werden geheilt. Neun von ihnen betrachten das aber als eine Selbstverständlichkeit, nur einer kehrt um und dankt, dem, der ihn geheilt hat.
 
Aber schön der Reihe nach: Wir erfahren, dass diese Männer an einer schrecklichen Krankheit leiden: dem Aussatz, der auch Lepra genannt wird. Lepra war zur der Zeit Jesu sehr verbreitet. Sie war ansteckend.              Der einzige wirksame Schutz für die Gesunden hieß: konsequente Trennung. Da wurde die Mutter von ihren Kindern getrennt, oder der Großvater von der Familie. 
Die Kranken wohnten ausgesetzt, ausgestoßen in Erdlöchern und verfallenen Hütten. Anderen Menschen durften sie sich nur auf Rufweite nähern. Sie lebten von den Gaben, die man in ihrer Nähe niederlegte – und wenn man keine hinlegte, hungerten sie.
Auch der Kontakt zu Gott war abgebrochen. Tempel und Synagoge durften sie nicht aufsuchen, am Gottesdienst durften sie nicht teilnehmen.
Diese Zehn Aussätzigen waren hoffnungslose Fälle, nach menschlicher Erwartung hatten sie keine Aussicht mehr. Als Lebende waren sie schon so gut wie tot.
Aber dann kommt Jesus in ihre Nähe. Offensichtlich hatten sie von ihm gehört. Denn in ihrer Not rufen sie laut: „Erbarme dich über uns – auf griechisch. „Eleison“
 Wir singen das ja auch in unseren Gottesdiensten, auch heute wieder: „Kyrie eleison“ – Herr, erbarme dich unser!
 
Jesus hat Erbarmen mit den kranken Männern. Er schickt sie zu den Priestern, die zur damaligen Zeit auch die Funktion der Ärzte erfüllten. Sie stellten die Gesundheit dieser Männer fest. Was sie so grausam trennte von allen anderen Menschen, war verschwunden. Von einem Moment auf den anderen, einfach nicht mehr da.
 
So weit, so gut. Der Fortgang der Geschichte verdient nun unsere besondere Aufmerksamkeit. Die Frage ist: Wie gehen die 10 mit ihrer Heilung um?
Es erstaunt uns, zu erfahren, dass nur einer von den zehn Geheilten umkehrt und sich bedankt. Und das ist ausgerechnet der, von dem man das am wenigsten erwartet hatte, ein Samariter. Und das wiederum ist genauso wie in der Geschichte vom barmherzigen Samariter, die ebenfalls Lukas erzählt. Auch dort ist es ein Samariter, also ein Fremder, der dem Verletzten hilft und die Nächstenliebe an ihm übt.

Jesus hält uns damit einen Spiegel vor.
 
Danke zu sagen, das hat nur er, der Samariter, geschafft.
Sicher waren die anderen auch überglücklich, ihre Gesundheit wiedererlangt zu haben. Doch sie betrachten ihre Rettung wie einen glücklichen Zufall, den sie einstecken, um dann ihres Weges zu ziehen, wie eine Selbstverständlichkeit. Der Samariter dagegen sieht seine Heilung mit anderen Augen. Er staunt: „Womit habe ich das verdient?  Wie kommt Gott dazu, mir das Leben neu zu schenken?“ Er blickt von dem, was er empfangen hat, hin zu dem, der es ihm geschenkt hat.
 
„Danken kostet nichts und gefällt Gott und den Menschen wohl.“, sagt ein altes deutsches Sprichwort. Trotzdem fällt es so vielen schwer, zu danken. Danken hat immer auch mit Denken zu tun. Wer dankt, weiß, dass das Geschenk nicht selbstverständlich ist.
Wer Gott dankt, der weiß, dass der Erhalt des Lebens, die Gesundheit, der häusliche Friede, der Besitz von Eigentum und gute Freunde nicht selbstverständliche Gaben Gottes sind. Täglich habe ich Grund zu danken, dafür, dass ich überhaupt bin, dass ich heute Morgen hier sein darf. In jedem guten Wort eines freundlichen Menschen, in jeder herzlichen Umarmung erfahre ich Heilung, an Leib und Seele.
 
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2)
Ich vergesse, mich zu bedanken, das kenne ich auch von mir und ich vermute, Sie kennen das auch.
Einer also kehrt um und dankt Gott. „Dein Glaube hat dir geholfen“, sagt Jesus zu ihm.
Dieser Samariter ist nicht einfach so in seinen Alltag zurückgekehrt wie die anderen. Ein neues Leben beginnt für ihn. Seine Dankbarkeit hat einen neuen Menschen aus ihm gemacht.
 
Wenn wir heute Gottesdienst feiern, dann lassen Sie uns das aus der Erinnerung tun und in der Hoffnung für all das Gute, das Gott uns getan hat und in Zukunft weiterhin tun und  bewirken wird. Amen
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